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Erbliches Mamma- und Ovarialkarzinom, erblicher Brust- und Eierstockkrebs

Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung der Frau. In Deutschland erkranken nach einer aktuellen Statistik der Deutschen Krebshilfe jährlich ungefähr 55 000 Frauen. Jedoch ist nur ein geringer Anteil aller Brustkrebserkrankungen erblich bedingt. Man nimmt an, dass bei bis zu 20% aller Mammakarzinomerkrankungen eine familiäre Belastung (genetische Prädisposition) zugrundeliegt. Besteht der Verdacht auf ein erhöhtes genetisches Risiko, kann ein Gentest sinnvoll sein, um entsprechende Maßnahmen zur Früherkennung zu ergreifen. Diese Fragestellung sollte im Vorfeld im Rahmen einer genetischen Beratung geklärt werden.

Fehler im Bauplan der Zellen- die Gene BRCA1 und BRCA2

Etwa die Hälfte der erblich bedingten Brustkrebserkrankungen ist auf Mutationen in hochpenetranten Genen zurückzuführen. Die derzeit bekanntesten und am besten erforschten Genveränderungen sind Mutationen in den Genen BRCA1 und BRCA2 (BRCA für breast cancer). Diese Gene gehören zur Gruppe der sogenannten Tumorsuppressorgene, die die Zellen vor maligner Entartung schützen. Die Vererbung ist autosomal dominant, d. h. die Veränderung ist meist von einem Elternteil ererbt und wird an männliche und weibliche Nachkommen gleichermaßen mit einer Wahrscheinlichkeit von 50% weitergegeben.

Liegt eine Mutation in einem der beiden Gene vor, haben die betroffenen Frauen ein Risiko von ca. 80 %, bis zum Alter von 80 Jahren an Brustkrebs zu erkranken. Ist bereits Brustkrebs diagnostiziert, besteht ein erhöhtes Risiko, auch in der zweiten Brust einen Tumor zu entwickeln. Zudem liegt das Risiko für die Entwicklung eines Ovarialkarzinoms bis zum 70. Lebensjahr bei ca. 25-45%. Wichtig zu wissen ist in diesem Zusammenhang, dass auch Männer an Brustkrebs erkranken können!

Im Frühjahr 2010 wurde bei Familien mit Brust- und Eierstockkrebs ein weiteres Gen beschrieben, das ebenfalls ursächlich für Brust- und Eierstockkrebs ist (RAD51C).

Für wen kommt eine molekulargenetische Gendiagnostik in Frage?

Ist eine der im Folgenden aufgeführten Voraussetzungen erfüllt, gilt dies als Hinweis darauf, dass ein genetisches Risiko vorliegen könnte. In diesen sogenannten Hochrisikofamilien ist/sind mindestens

  • eine Frau vor dem 36. Lebensjahr von Brust- oder Eierstockkrebs betroffen
  • eine Frau von zwei Brustkrebserkrankungen betroffen, die Ersterkrankung liegt vor dem 51. Lebensjahr
  • eine Frau von Brustkrebs und Eierstockkrebs betroffen (keine Altersbegrenzung)
  • eine Frau von Brustkrebs und eine Frau von Eierstockkrebs betroffen (keine Altersbegrenzung)
  • zwei Frauen von Brustkrebskrebs betroffen, mindestens eine davon vor dem 51. Lebensjahr
  • zwei Frauen von Eierstockkrebs betroffen (keine Altersbegrenzung)
  • drei Frauen von Brustkrebs oder Eierstockkrebs betroffen (keine Altersbegrenzung)
  • ein Mann von Brustkrebs und eine Frau von Brustkrebs oder Eierstockkrebs betroffen (keine Altersbegrenzung)
  • eine Frau vor dem 50. Lebensjahr von einem triple negativen Mammakarzinom betroffen

Genetische Beratung und Gentest

Vor einer genetischen Testung sollte eine ausführliche genetische Beratung stattfinden, um die Betroffenen über ihr individuelles Risiko, Maßnahmen zur Früherkennung und die möglichen Konsequenzen der Untersuchung aufzuklären.

Die Mutationsanalyse sollte bei einem erkrankten Familienmitglied begonnen werden. Zunächst werden die Gene BRCA1 und BRCA2 untersucht. Kommt in der Familie gehäuft Brust- und Eierstockkrebs vor, kann eine Diagnostik des RAD51C-Gens nach Ausschluss einer Mutation im BRCA1- und BRCA2-Gen erwogen werden. Wird bei einer betroffenen Patientin eine BRCA1/2-Mutation gefunden, können zur Risikoabschätzung weitere Familienmitglieder gezielt untersucht werden. Steht kein erkranktes Familienmitglied zur genetischen Untersuchung zur Verfügung, so kann unter bestimmten Voraussetzungen eine Untersuchung der nächsten Verwandten angezeigt sein.

Maßnahmen zur Früherkennung bei erhöhtem genetischen Risiko

Zurzeit gibt es keine Möglichkeit, das Auftreten von Brust- oder Eierstockkrebs bei Frauen mit einer erblichen Prädisposition sicher zu verhindern. Aber die möglichst frühe Erkennung einer Krebserkrankung bringt die größte Chance einer Heilung. Diesen Frauen steht ein spezielles Früherkennungsprogramm zur Verfügung (einschließlich Kernspinmammographie, siehe Tabelle).

Unabhängig davon, ob bei einer Frau eine BRCA1- oder BRCA2-Mutation gefunden wurde, sollte sie die allgemein empfohlenen Früherkennungsuntersuchungen regelmäßig durchführen lassen.

Tabelle: Hochrisikovorsorge für Frauen mit einer BRCA-Mutation oder einem Brustkrebsrisiko über 30%

wann? was? wie oft?
ab dem 25. Lebensjahr
(bzw. 5 Jahre vor dem
frühesten Erkrankungsalter in der Familie)
Selbstuntersuchung der Brust
Tastuntersuchung durch Frauenarzt
Brust-Ultraschall
jeden Monat
alle 6 Monate
alle 6 Monate
ab dem 30. Lebensjahr
(oder ab dem 35. Lebensjahr,
abhängig von der Brustdrüsendichte)
Mammographie jährlich
zwischen dem 25. und 50. Lebensjahr bei
Mitgliedern von Hochrisikofamilien oder
bei unklaren Ultraschall-/Mammographiebefunden
Kernspinmammographie jährlich

Quelle: Konsortium für das Hereditäre Mamma- und Ovarial-Karzinom der Deutschen Krebshilfe

 

Weil bei BRCA1/2-Mutationsträgerinnen auch häufiger Eierstockkrebs auftreten kann, sollten die Möglichkeiten eines Eierstockkrebs-Früherkennungsprogramms besprochen werden.

Vorsorgliche Entfernung der Brust oder Eierstöcke

Für Frauen mit einem hohen familiären Risiko für Brust- und Eierstockkrebs besteht die Option, sich Brüste bzw. Eierstöcke vorsorglich entfernen zu lassen.

Bei gesunden BRCA1- und BRCA2-Mutationsträgerinnen führt die prophylaktische beidseitige Entfernung der Eierstöcke nach abgeschlossener Familienplanung zu einer Verminderung des Risikos um bis zu 96 % für Eierstockkrebs und zu einer Verminderung des Risikos von etwa 50 % für Brustkrebs. Umgekehrt hat die Entfernung der Brüste keinen Einfluss auf das Risiko für Eierstockkrebs.

Vor einem solchen schwerwiegenden Schritt sollten sich die betroffenen Frauen allerdings ausführlich und interdisziplinär über ihr individuelles Erkrankungsrisiko und die möglichen Folgen beraten lassen. In die Überlegungen sollten auch die Möglichkeiten zur Früherkennung (s. o.) und Therapie von Brustkrebs einbezogen werden.

Im Gegensatz zu anderen Ländern wie z. B. den USA wird in Deutschland v. a. die Brustkrebs-Früherkennung in den Vordergrund gestellt.

Zusammenfassung

Durch eine sorgfältige Erhebung des Stammbaums kann in belasteten Familien herausgefunden werden, ob eine erbliche Form des Mamma- und/oder Ovarialkarzinoms vorliegt. Wird bei der Indexpatientin eine Mutation nachgewiesen, können weitere Familienmitglieder gezielt untersucht werden. Der Mutationsausschluss stellt für die Betreffenden eine enorme Erleichterung dar, denn er bedeutet kein erhöhtes Erkrankungsrisiko im Vergleich zur Normalbevölkerung. Personen mit einer BRCA1- oder BRCA2-Mutation wiederum können vom Zugang zu einem speziellen Früherkennungsprogramm (Kernspinmammographie) sehr profitieren.

Aber auch in Familien, in denen keine Mutation in den untersuchten Genen gefunden wird, kann mittels spezieller Programme eine Risikoermittlung im Rahmen einer genetischen Beratung erfolgen. Dies ist dann die Grundlage für das empfohlene Vorsorgeprogramm.

Um Ratsuchenden eine Entscheidungsgrundlage für oder wider eine molekulargenetische Untersuchung zu geben, wird vor jeder etwaigen Genanalyse eine ausführliche genetische Beratung durchgeführt, die anhand der Familienvorgeschichte über das persönliche Erkrankungsrisiko, aber auch über Möglichkeiten und Grenzen der verschiedenen diagnostischen Verfahren sowie über die möglichen Konsequenzen der molekulargenetischen Untersuchung ausführlich informiert. Das Ergebnis der molekulargenetischen Untersuchung wird in einem abschließenden Beratungsgespräch erklärt. Es wird mit den Betroffenen besprochen, welche Konsequenzen sie aus dem Ergebnis ziehen können.

Genetische Beratung

Betroffene sowie deren Angehörige können mit der Versichertenkarte ein genetisches Beratungsgespräch in Anspruch nehmen (es entstehen keine Kosten). Hierbei kann gegebenenfalls die genetische Diagnostik veranlasst werden.

Genetische Diagnostik

Der Gentest wird aus 5ml EDTA-Blut durchgeführt. Die Kosten übernimmt bei bestehender Indikation die Krankenkasse.

 

Für Fragen stehen Ihnen gerne zur Verfügung:

Beratung:

Frau Dr. Gertrud Strobl-Wildemann (FÄ f. Humangenetik, FÄ f. Psychotherapeutische Medizin)

Diagnostik:

Frau Dipl. biol. Tanja Trosch (Leitung Molekulargenetik)

Tel 0731-850 773-0 oder info(at)humangenetik-ulm.de

 

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